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 Ein Fluch ist eine Art Tadel und Ablehnung – bis hin zum Wunsch von Unglück. Schon daran denkt Jesus bei dem Wort:

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.  Mt 10,16

Antworten sollen seine Gläubigen dann aber mit Segnen. "Segnet die, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht" Röm 12,14; Mt 5,44.

 

 Darüber hinaus zeigt die Hl. Schrift auch Gott als Fluchenden. Zunächst schon im Zusammenhang mit der Sintflut. Im Schlussteil ihres Berichts zitiert sie Ihn mit den Worten:

Siehe, ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen

um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten

des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören

Saat und Ernte, ... 1Mose 8,21 f.

 Anderseits bekam Abram von Gott die Erklärung und Zusage: "Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen", 1Mose 12,3. Und den Nachkommen kündigte Er durch Mose Segen und Fluch an; als die Folge von Treue bzw. als Seine Antwort auf Treulosigkeit. 5Mose 11,26 ff. Kap. 30,15-19.

 Für Ungehorsam gegenüber den Geboten lässt Gott durch das Gewissen jeden tadeln. Das ist der »Fluch des Gesetzes«. Doch mit dem Glauben an Gott den Sohn ändert sich die Situation.

Christus hat uns erlöst vom Fluch des Gesetzes,

da er zum Fluch wurde für uns.  Gal 3,13

Christus ist des Gesetzes Ende;

wer an ihn glaubt, der ist gerecht.  Röm 10,4

Allerdings:

… wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen,

sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.  Joh 3,36

 

 In einem dritten Sinn spricht der Apostel Paulus im Galater-Brief von verfluchen: Tadel und Missbilligung soll eine christliche Gemeinde aussprechen gegenüber Predigern, die mit anderem Evangelium kommen.

Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel

euch ein Evangelium predigen würden,

das anders ist, als wir es euch gepredigt haben,

der sei verflucht.   Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals:

Wenn jemand euch ein Evangelium predigt,

anders als ihr es empfangen habt,

der sei verflucht.  Gal 1,8 und 9

 Dementspr. heißt es

  • im 2. Johannes-Brief: "Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, den nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. Denn wer ihn grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken", V. 10.
  • im 1. Timotheus-Brief: "Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist, der ist aufgeblasen und weiß nichts, ... Tue dich von solchen!", Kap. 6,3-5.
  • im Römer-Brief: "Ich ermahne euch, liebe Brüder, dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet", Kap. 16,17.

 

 Mit dieser Weisung will Jesus seinen Gläubigen helfen. Danach zu handeln, heißt

  • mit ihm sammeln, Lk 11,23,
  • den Leib Christ erbauen, Eph 4,12,
  • die Schafe herzubringen,
  • sie als einmütiges Volk dem einen Hirten unterordnen, Joh 10,16.

- und wenn noch so viele ganz anders denken und das entschiedene

Aufzeigen und Abweisen von verfälschender, irrführender Weitergabe

des Wortes Gottes als schädliches Streiten verhindern wollen.

Einmal mehr sind dann Gottes Wege und Gedanken ganz anders.

 

 Darauf sieht das lutherische Bekenntnis mit der Aussage:

 Da dem so ist, müssen sich alle Christen davor hüten, dass sie nicht der gottlosen Lehre, der Gotteslästerungen und der ungerechten Grausamkeit des Papstes teilhaftig werden. Deshalb müssen sie sich vom Papst mit seinem Anhang gleich als dem Reich des Antichristen trennen und ihn verfluchen, wie Christus befahl: Hütet euch vor falschen Propheten. Und Paulus befahl, gottlose Lehrer zu meiden und zu verfluchen gleichsam als Bannfluch. Und 2. Kor. 6 sagt er: Habt keine Gemeinschaft mit Ungläubigen, denn was hat das Licht mit der Finsternis gemeinsam?

   Aus der Gemeinschaft mit so vielen Menschen sich zu lösen und Schismatiker genannt zu werden, ist schwer. Aber die Autorität Gottes befiehlt allen, dass sie nicht Bundesgenossen und Verteidiger der Gottlosigkeit und ungerechter Grausamkeit sind. Deshalb sind unsere Gewissen genügend entschuldigt.  Tractatus, § 41 f. (Pöhlmann) - Wiederholt in der FC - SD 10, 22 f.

 In der Tat gefallen uns nicht diese Streitereien in der Kirche, und wir würden deshalb sehr gerne schweigen, wenn wir nicht wichtige und notwendige Gründe hätten, von dem Gegener abzuweichen. Da sie jetzt selbst die offenkundige Wahrheit verdammen, haben wir nicht freie Hand, die Streitsache im Stich zu lassen; sie ist nicht unsere, sondern die Christi und der Kirche.   Apol. 12, 90 (nach Pöhlmann).

 

Der Reformator hat leider allzu sehr recht mit der Feststellung:

Falschmünzer bestraft man,

aber Schriftfälscher nennt man heilige Lehrer.