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 Geschichtlich ist zunächst wichtig, dass Johann Tetzel als Ablassprediger in Jüterbog auftrat. Für die erste Hälfte des Jahres 1517 ist das anzunehmen, als Luther im etwa 60 km entfernten Wittenberg längst mit dem Impuls leben konnte, den Gott ihm mit dem sog. Turmerlebnis gab. Als Beichtvater soll er mit Ablassbriefen konfrontiert worden sein, aktuell erworben gerade auch im nahen Jüterbog.

 Ausführlicher schreibt Julius Boehmer in Der junge Luther:

 Im April 1517 verbreitete sich in Wittenberg die Kunde: Drüben im Magdeburgischen wird ein neuer Ablass des Heiligen Vaters Leo für den Neubau von St. Peter in Rom mit ganz außerordentlichen Zugaben angeboten. Wer von den Bürgern und Studenten der kleinen Stadt ein paar Groschen erübrigen konnte, der »rannte daraufhin wie toll gen Jüterbog.«   aaO., S. 152.

 Im selben Sinn äußert sich Joachim Rogge in Band II/3 und 4 der Reihe Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen,

 Luther „musste erleben, dass seine Beichtkinder in Wittenberg über die Grenze nach Jüterbog und Zerbst gingen, um sich dort Ablass zu holen …“. Und: 1541 habe der Reformator den Ablassverkauf durch Tetzel dann „auf die einfache Formel gebracht, die der Kardinalerkenntnis seines eigenen Lebens entgegenstand: »Tetzel … verkaufte Gnade ums Geld.«    aaO., S. 142;   vgl. WA 51,538,23 ff.  bzw.   Wider Hans Worst    St. L. 17,1358.

 Auf weitere Einzelheiten verweist dieser Luther-Forscher in: Martin Luther – sein Leben, seine Zeit, seine Wirkung:

 Die Ablassinstruktionen seines Erzbischofs waren Luther bekannt geworden, und er empörte sich aufs heftigste über diese Art, göttlichen Gnadenerweis und Geldzahlungen zu koppeln. Dazu musste Luther noch erleben, wie der Dominikaerpater Tezel nach besagter Instruktion verfuhr und im nahegelegenen brandenburgischen Jüterbog den Ablass predigte. Luther sah die ernsthafte seelsorgerliche Einflussnahme auf Menschen, die schuldig geworden waren, aufs äußerste gefährdet, wenn – statt eine innere Bereitschaft zur Abkehr von schuldhaftem Verhalten und zur Wiedergutmachung zu fördern – der Kauf eines Ablasszettels genügen sollte, um von Schuld frei zu werden. So entschloss er sich, auch wenn im ernestinischen Sachsen der Handel mit der heiligen Ware untersagt war, einem derartigen Handel mit der Gnade Gottes entgegenzutreten.   aaO., S. 24 f.

 So hat Jüterbog für die Reformationsgeschichte eine gewisse Bedeutung – als die Stadt, von der aus der Ablass zum Anstoß wurde.