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 Vermutlich erhält dieser Teil öfter besondere Aufmerksamkeit - von Lesern, die Luther gegenüber in ein gebrochenes Verhältnis gekommen sind. Größtenteils wissen sie wohl aus zweiter oder gar nur dritter Hand, dass sich der Reformator im Blick auf Angehörige des jüdischen Volkes geäußert hat, die Jesus von Nazareth nicht als den im Alten Testament versprochenen Messias gelten lassen; die stattdessen den Versuch aufrecht erhalten, die neutestamentliche Deutung der Prophetenworte als verkehrt zu erweisen. Vor solchen Theologen und ihren Argumenten konnte der alternde Luther mit harschen Worten warnen. Mit Formulierungen, die nun – Jahrhunderte später – durch Agitatoren missbraucht worden sind. Das gibt aber niemandem das Recht, diese Äußerungen ein weiteres Mal unangemessen anzuführen und dem Wittenberger Theologen und Seelsorger einen zweifelhaften Ruf zu verpassen. Er bleibt der Mann, der nicht länger als Junker Jörg leben wollte, sondern Lebensgefahr auf sich nahm und in die Stadt seiner Universität zurückkehrte, um durch eine Serie von Predigten einem Pogrom gegen die römisch-katholische Frömmigkeit den Boden zu entziehen. Dementsprechend war Judenmord gewiss nicht in Luthers Sinn.

 

   

 Wer will, kann dem streitbaren Wittenberger auch im Zusammenhang mit dem sogenannten Bauernkrieg etwas anhängen. Ebenso für manche Wortwahl im Blick auf Personen weiblichen Geschlechts, erst recht aber im Blick auf Vertreter der Kirche und Theologie des Papstes – wie sie in seinen Predigten und Schriften inzwischen als unangemessen wirken und weitaus häufiger sind als die Auseinandersetzung mit jüdischen Theologen.

 

 Luther hatte, wie jeder sonst, seine Art (auch als Kind seiner Zeit), und war, wie jeder sonst, manchen Stimmungen und belastenden Erfahrungen unterworfen. Diese Aspekte, ja entschuldigenden Momente aus den noch vorhandenen Quellen zu erfassen, dürfen sich die nicht sparen,

  • die sich angemessen äußern,
  • nicht Unrecht tun,
  • niemanden in schlechtes Licht setzen wollen.

 

 Schließlich ist es in noch höherem Maß unsachlich, Vertreter des lutherischen Bekenntnisses haftbar zu machen für lediglich persönliche Äußerungen Luthers.