Link verschicken   Drucken
 

 

Das Glaubensbekenntnis der evangelischen Landeskirchen

Gut und ungut zugleich

 

 Im Evangelischen Gesangbuch (EG) steht das Glaubensbekenntnis unter Nr. 804. Sogar mit der Überschrift »Das Apostolische Glaubensbekenntnis«. Wiedergegeben und weiter ausgesagt soll also sein, was Inhalt eines bald 2000 Jahre alten griechischen Textes ist. Da mag es jetzt (wenn sich die Gottesdienstgemeinde daran gewöhnt hat) heißen:

nicht mehr: „Schöpfer Himmels und der Erden

sondern: „… des Himmels und der Erde“

nicht mehr: „aufgefahren gen Himmel“

sondern: „aufgefahren in den Himmel“

nicht mehr: „sitzend zur Rechten Gottes“

sondern: „er sitzt zur Rechten Gottes“

nicht mehr: „von dannen er kommen wird

sondern: „von dort wird er kommen“.

 

 An zwei Stellen weicht EG 804 aber von der Aussage des Apostolischen Glaubensbekenntnisses ab. Einerseits mit der Formulierung „empfangen durch den Heiligen Geist“, andererseits mit der Rede vom „Reich des Todes“.

Als Jungfrau erfuhr Maria durch einen Engel, dass sie schwanger werden und einem Sohn das Leben geben wird – mit der Zusatzinformation: „der Heilige Geist wird über dich kommen wird und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1,35). Ebenso liegt in den biblischen Texten noch die Aussage, dass Maria als hochschwangere Jungfrau nach Bethlehem kam und dort ihr Kind zur Welt brachte. Gott ließ ihre Schwangerschaft auf besonders wunderbare Weise beginnen, nicht von einem Mann her. Das wollten die Väter des Apostolischen Bekenntnisses ausdrücklich als Teil des christlichen Glaubens benennen, mit der Formulierung: „empfangen vom Heiligen Geist“. Dieses durch die Heilige Schrift bezeugte und der biblischen Botschaft entsprechende Wunder ist zu bekennen. Die Neuformulierung „empfangen durch den Heiligen Geist“ schließt menschliche Vaterschaft für das erste Kind Marias jedoch nicht ausdrücklich aus. Ein Brief von der Post hat eine Postdienststelle als Absender, während ein Brief durch die Post von einem anderen Absender ausgeht und lediglich mithilfe von Postmitarbeiter zugestellt wird. Die Formulierung „empfangen vom Heiligen Geist“ ist also nicht nur gut verständlich, sondern regelrecht nötig fürs Bekennen der biblischen Aussage. Wer das will und andere dafür gewinnen möchte, wird bei diesem Wortlaut bleiben und dafür den Gegenwind und die anrollenden Wellen in Kauf nehmen - wie der Baum am Waldrand und der Stein am Meeresstrand.

 

 Ebenso wenig guten Grund kann es für die andere mehr als nur sprachlich neue Formulierung geben: wenn im Glaubensbekenntnis der Begriff Hölle ersetzt wird durch die Rede vom Reich des Todes. Jedenfalls ist ein Totenreich, in dem die Seelen aller Verstorbenen bis zum Jüngsten Tag warten, lediglich Glaubensvorstellung in mehreren Religionen der Völker der Welt. Die Heilige Schrift deutet über das Sterben hinaus zwei grundverschiedene Warteräume an: dass ein Mensch seiner Seele nach dann entweder im Paradies ist (Lk 23,43), oder gefangen (1Petr 3,19) und in Pein (Lk 16,23 ff.). Dorthin ist Christus niedergefahren oder hinabgestiegen; speziell das steht als biblische Aussage. Soll dieses Thema in einem Bekenntnistext berührt werden, dann ist dafür der Begriff Hölle nach wie vor gut genug und wirklich klar – auch zum Aufrütteln aus dem Schlaf, den wir natürlicherweise gern haben, als würde sich ein ewiges Glücklich-Sein von allein einstellen, weil Gott doch wohl gütig ist, zumindest zu Leuten, die nicht gerade abgrundtief böse sind und sich ehrlich bemühen, mitmenschlich Gutes zu tun.

 

 Ein Dreieck verbindet einen Punkt mit zwei weiteren und diese weiteren miteinander. So ist der Gott, der sich durch die Bibel vorstellt - fest verbunden mit allen biblischen Aussagen. Und der christliche Glaube ist Bindung an diesen Gott und an die biblische Botschaft. Er schließt das Anliegen ein, für die biblische Botschaft einzutreten, sich zum Glauben an den Gott der Bibel zu bekennen, auch dann entschieden und klar, wenn ihr widersprochen wird. Wer dann nur so „bekennen“ will, dass er dem Widerspruch nachgibt und ausweicht, wird Gott und den Glauben an ihn allzu leicht „vor den Menschen verleugnen“. So Formuliertes ist aufs Ganze gesehen ungut – auch wenn es stellenweise gute sprachliche Überarbeitung hat. Vgl. dazu die Worte Jesu in Mt 10,32 und 33:

Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen

vor meinem himmlischen Vater.

Wer mich aber verleugnet vor den Menschen,

den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.