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 Nach dem längeren ersten Teil zu den Erörterungen bzw. Auseinandersetzungen mit dem Thema Kirche und Amt, ein kürzerer zweiter.


 Der Apostel ist im Neuen Testament ein fester Begriff. Petrus, Jakobus, Johannes  und ihren Mitjüngern kommt er zu, und schließlich noch dem Saulus, der zum Paulus wurde. Diese seine Jünger hat sich Jesus aus einem größeren Kreis heraus berufen und selbst als Apostel bezeichnet (vgl. Lk 6,13; Joh 13,16). Sie hörten und erlebten den Meister besonders intensiv. Auf diese Weise empfingen sie mehr als andere. Als die besonderen Augen- und Ohrenzeugen waren sie später eine Gabe Christi an die EKKLESIA, das Volk Gottes, bzw. an die EKKLESIEN (Plural), d. h. die Kirchgemeinden. Als solche predigten und handelten die Apostel schließlich innerhalb und für Kirchgemeinden. Ja, sie predigen durch ihre im Neuen Testament festgehaltenen Schriften bis zum Jüngsten Tag in aller Welt. In diesem Sinn erwähnt sie Jesus im Hohepriesterlichen Gebet (Joh 17,20). Diesen Männern stärkt er den Mut, mit ihrem Wirken verbindet er sich besonders, indem er ihnen zuruft:

„Siehe, ich bin bei euch (mit euch) alle Tage bis an der Welt Ende“, Mt 28,20.


Durch 1Kor 12,28 und Eph 4,11 werden weitere solche Gaben Gottes für sein Volk in dieser Welt genannt:

Propheten – Personen, die die alttestamentlichen Gottesworte besonders gut aufschließen können, was für das gottesdienstliche Leben der ersten Jahrzehnte besonders wichtig war, sofern die neutestamentlichen Schriften erst entstanden.

Evangelisten – Personen mit Gaben besonders für die missionarische Verkündigung,

Hirten und Lehrer – Personen mit Gaben zum Ausbau von Kirchgemeinden, einschl. des grundlegenden Unterrichts für neue Gemeindeglieder, für getaufte Kinder und für Predigtamtsanwärter.


 So wie ein Apostel-Amt nicht etwa „geschaffen“ oder von den Kirchgemeinten „eingerichtet“ worden ist, so bezeugt Gottes Wort keineswegs, dass es ein spezielles Propheten-Amt und ein Evangelisten-Amt gegeben hätte, „gestiftet“ oder „ausgeformt“ durch entspr. Erörterungen und Beschlüsse innerhalb eines Kirchenkörpers, „unter Anleitung des Heiligen Geistes“, durch die „Gabe des gemeinsamen Glaubens“.

Vgl. diese Formulierungen in den Doctrinal Statements der WELS.

 Dem Schriftzeugnis entsprechend kann es nicht in Gottes Sinn sein, solches „Stiften durch den Heiligen Geist“ für die apostolische Zeit zu behaupten und für alle spätere Zeit als Gottes Willen zu lehren – wie es die WELS und ihre Gemeinschaft jedoch will.


 Von Gott entspr. Begabte durften und sollten durch Kirchgemeinde jedoch ins Amt des Predigers, Ältesten oder Gemeindebischofs (zur Erbauung einer schon bestehenden Gemeinde oder auch zur Gründung neuer Gemeinden) berufen werden. Dann war die Wahl durch die Vertreter einer Kirchgemeinde Beauftragung durch Gott (vgl. Apg 14,23 und 20,28). Das gilt weiterhin. Ja, in Tit 1,5 lässt der Heilige Geist den Aposteln Paulus ausdrücklich eine weitgehende und weiter wegweisende Doppel-Aussage treffen:

1. Schon ohne wenigstens einen Ältesten waren die Gemeinden auf Kreta EKKLESIEN – trotz dass ihre Situation die Berufung von Predigern zunächst nicht angeraten sein ließ
2. Einer Kirchgemeinde ohne wenigstens einen Mann, der das Predigtamt beauftragt wahrnimmt, fehlt etwas. Paulus schreibt eben:

„Deswegen ließ ich dich in Kreta, dass du vollends ausrichten sollst, was noch fehlt, und überall in den Städten Älteste einsetzen, wie ich dir befohlen habe.“ Tit 1,5.

 Ein Apostel schreibt diese Worte. Also ist es Gottes Wille und Ordnung für sein Werk an den Herzen, dass für und in den Gemeinden Älteste bzw. Gemeindebischöfe (Prediger, Pastoren) berufen werden und wirken. Ältesten. Andere Dienste oder Ämter wird und soll es in den Gemeinden und in Kirchenkörpern ebenfalls geben. Mit der Demut der Schüler des Wortes Gottes werden diese Dienste jedoch nicht so als von Gott gewollt bezeichnet wie der eine, durchs Neue Testament als Gottes Wille genannte Dienst.


 Die Unterscheidung in Tätigsein nach göttlichem Recht (iure divino) und Amtieren nach menschlichem Recht (iure humano) gehört übrigens gerade in diesem Zusammenhang zum lutherischen Bekenntnis:

„Deshalb ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten: das Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre beurteilen, und die Lehre, die dem Evangelium entgegen, verwerfen, und die Gottlosen, deren gottloses Wesen offenbar ist, aus christlicher Gemeinde ausschließen, ohne menschliche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort.“ … „Dass aber die Bischöfe sonst Gewalt und Gerichtszwang haben in etlichen Sachen wie Ehesachen oder Zehnten, dieselben haben sie aus Kraft menschlicher Rechte.“ Augsb. Bekenntnis, Art. 28,20 ff.

 

 

 Welchen Grund kann es geben, dass eine lutherische Synode zu einer Lehrerklärung kommt, die diese Unterscheidung im Zusammenhang mit kirchlichen Ämter nicht beinhaltet bzw. zumindest den Anschein erweckt, als wollte sie sie nicht beibehalten?

 Zu den Doctrinal Statements gehört eben auch der Satz:

„Wir achten es für unhaltbar zu sagen, dass das Pfarramt in der Ortsgemeinde als spezifische Form des öffentlichen Predigtamtes spezifisch vom Herrn eingesetzt sei im Gegensatz zu anderen Formen des öffentlichen Predigtamtes.“ (Doctrinal Statements der Wisconsin-Synode, verabschiedet 1970; Wortlaut des Antragshefts der außerordentlichen Synode der Evangelisch-Lutherischen Freikirche 2001).