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Rechtfertigen - Rechtfertigung

 Dieser Begriff wird in dreierlei Sinn verwendet. Es gibt

  1. ein Sich rechtfertigen,
  2. das Rechtfertigen als Erklärung eines zum Richter Berufenen; vor größerer Öffentlichkeit wird dann jemand gegen Vorwürfe ganz oder teilweise in Schutz genommen. Daraufhin kann und wird der Beschuldigte
  3. gerechtfertigt werden und sich gerechtfertigt sehen. Am Ende der Prüfung von Schuldvorwürfen kann freilich auch Verurteilung stehen und Festlegung eines Strafmaßes. Doch selbst dann kommt es zu einem Gerechtfertigt werden – wenn der Beurteilte die Strafe annimmt und verbüßt. Dann ist er gerechtfertigt im Sinn von rehabilitiert.

 

 Bei jeder dieser drei Arten von Rechtfertigen geht es um Aufarbeitung von Schuld, die teils objektiv vorliegt und deshalb den Schuldiggewordenen belasten muss, die teils aber auch nur oder nur noch subjektiv empfunden wird.

 

 Gott gegenüber scheidet eins allerdings aus: das Sich-Rechtfertigen. Mindestens seiner Gesinnung nach entspricht niemand der Norm, die Gott als der Schöpfer und Herr an den Menschen, seine Gesinnung und sein Tun anlegt. Deshalb kann auch alles menschliche Verhalten nie völlig schuldfrei sein, gegen Vorwürfe nicht in jeder Hinsicht verteidigt (gerechtfertigt) werden, schon gar nicht durch den Beschuldigten selbst.

 

 Trotzdem ist die Rechtfertigung des Sünders möglich (und für die neue Gemeinschaft mit Gott absolut nötig). Gott rechtfertigt. Im Grunde geht er dabei vor wie ein Richter – bis hin zum Urteilsspruch. Doch die Strafe lässt er nicht den Schuldner tragen. Ein Stellvertreter sollte und wollte die Sühne leisten – die zweite Person der Heiligen Dreieinigkeit, Gott der Sohn, der dafür ein Mensch wurde und als Mensch lebte, in vollkommener Treue gegenüber Gott und seinem Willen, in allen Phasen eines Menschenlebens, bis hinein in sein Sterben als unschuldig Gekreuzigter.

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 2Kor 5,19

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.  Joh 1,29

Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 1Joh 2,2

 

 Zu dieser Art der Rechtfertigung gehört ein zweiter, subjektiver Teil:

  • dass der Einzelne gerechtfertigt wird:
  • dass der Schuldiggewordene unter dem Schuldvorwurf gewissensmäßig nicht mehr leidet;
  • dass er Gott gegenüber vielmehr wieder froh wird.

 

 Dafür dringt Gott nicht nur aufs Schuldbekenntnis. Von seinem Wort her (einschl. der Sakramente) lässt er ins Herz des Bußfertigen den Glauben an Jesus einziehen

  • als Verständnis für seine Person und für den Sinn seines Lebens, Leidens und Sterbens,
  • als Erkenntnis und wachsende Gewissheit: Er hat mich erlöst von allen Sünden, vom Tod, von der Gewalt des Teufels; ich soll und darf nun in Gottes Reich leben und ihm dienen, in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit.

 

 Diesen rechtfertigenden, froh machenden Glauben legt Gott ins Herz, es dafür verändernd, es aber nicht dauerhaft zwingend. Wer die Hilfe Gottes seinerseits zurückweist und nicht selbst weiterglauben will, bleibt schließlich unter den Folgen der Sünde – obwohl er, als Teil der Welt oder Menschheit, davon eigentlich (objektiv) erlöst ist.

Also (so) hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh 3,16

Jesus ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt. Röm 4,25.

 

 Über diese Worte darf sich jeder Christ immer wieder freuen. Sie sind aber so ernst im Blick auf alle, die trotz ihrer Bekanntschaft mit der biblischen Botschaft abweisend bleiben. Beides stellt Jesus selbst ausdrücklich nebeneinander. Seinem Auftrag an die Apostel, mit dem Evangelium zu den Völkern der Welt zu gehen, fügt er hinzu:

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Mk 16,15 f.

 

 Weil die objektive Rechtfertigung nur dem zugutekommt, der vom Wort Gottes her den Glauben an den Erlöser festhält, kann Jesus auch sagen: "Ich gebe mein Leben zu einer Erlösung für viele." Mt 20,28. Doch die »vielen« (die Bußfertigen und Christusgläubigen) dürfen sich nach allem Schuldig-Werden gerechtfertigt sehen. Sie werden die subjektive Rechtfertigung - von Wort und Sakrament ausgehend - immer wieder erhalten.