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Vergeben - Vergebung

 Sprachlich gesehen scheint Vergeben eng verwandt zu sein mit Geben. Inhaltlich ist jedes dieser Worte jedoch eigenständig. Genauer gesagt: Die Handlungen, die sie beschreiben, haben grundverschiedene Richtung. Geben heißt etwas zu anderer Person oder an anderen Ort hinbringen oder liefern (so gibt jemand: Materielles, Hilfe, gute Worte – und einem Haus einen neuen Anstrich). Demgegenüber ist Vergeben ein Wegnehmen oder Entlasten, und zwar das Wegnehmen und Entlasten speziell von Schuld und Schuldempfinden.

 

 Für ein Unglück oder für Unrecht wird jemandem die Schuld gegeben, aufs Gewissen gelegt – meistens zusätzlich; weil sich der Beschuldigte ohnehin schon selbst die Schuld gibt bzw. sie schon hat in seinem Gewissen, als dort entspringender Strom von Vorwürfen. Doch das Ver-geben bewegt solche Schuld in die umgekehrte Richtung. Vergebung (in Form von freundlichen Worten sowie als tätige Hilfsbereitschaft insbes. von Seiten dessen, dem durch das schuldhafte Verhalten geschadet wurde) darf, kann und wird das Gewissen frei und froh machen, zur Ruhe bringen, stillen, reinigen.

 

 So ist Gottes Vergebung mehr als ein Schritt, den Er in seinem Bereich geht – dass er bei sich im Himmel das Schuldkonto eines Menschen auf null setzt. Wenn Gott vergibt, dann spricht er dem schuldig Gewordenen Trost zu; dann lässt er den Trost im Herzen ankommen, durchdringen, Freude, getrosten Mut, Frieden stiften. So besteht Gottes Vergebung in Wort und Tat.