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 Wer wird hier lesen?

 Wer darf dabei guten Mutes sein?

 

 In Reichweite der Abschlussprüfung gibt es ja öfter Schüler, die sich mit Versagensängsten quälen, obwohl sie den Stoff gut kennen. Andere,

die im Unterricht meistens unaufmerksam waren,

und in den Pausen voll Spott für die Lehrer,

und zu Hause ohne weitere Gedanken ans Lernen,

 hätten da allen Grund, sorgenvoll zu sein, meinen aber, die Fakten bestens zu kennen und auf Fragestellungen souverän anzuwenden.


 Für den Begriff Kirche soll der Schüler des Wortes Gottes zunächst schon aufnehmen, dass er im Neuen Testament manche Entsprechung hat, nicht aber das, was mittlerweile vor allem auch damit bezeichnet wird:

ein Kirchenkörper oder organisiert ausgestalteter Zusammenschluss

   von Kirchgemeinden.


 Durch die Apostel, ihre Mitarbeiter und ihnen gleichgesinnte Prediger entstand innerhalb weniger Jahre vielerorts eine EKKLESIA, d. h. eine Personenkreis, der sich zum Hören des Wortes Gottes versammelte (möglichst oft und regelmäßig) sowie zum Gebet, zur Feier des heiligen Abendmahls und zu weiterem gemeinsamen Handeln nach Gottes Wort (zum Spenden der Taufe, zum Üben der sog. Kirchenzucht, zu weiterer Betätigung ihrer geistlich-menschlichen Gemeinschaft und fürs Bekennen zu Jesus als dem Christus gegenüber Andersgläubigen). Als allererstes entstand eine solche EKKLESIA bzw. Gemeinde (Kirchgemeinde) in Jerusalem, am 50. Tag nach Jesu Auferstehung, durch die Pfingstereignisse und das Predigen der Apostel von da an.

 

 Weitere folgten. Die Apostelgeschichte als biblisches Buch berichtet da manche Einzelheit. Insbesondere über das Wirken des Apostel Paulus. Insofern ist die Pluralform für den Begriff EKKLESIA sachlich reichlich bezeugt.  Beispielsweise

in Apg 14,23: „Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren“,

und in Kap. 16,5: „Da wurden die Gemeinden im Glauben gefestigt und nahmen täglich zu an Zahl.“

In den Briefen des Apostels Paulus steht die Pluralform in 1Kor 14,34:

„Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt“, sowie in 2Kor 11,28: „… und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden.“


 Schließlich ist festzuhalten, dass Jesus für eine EKKLESIA als sich örtlich versammelnder Personenkreis die sog. Kirchenzucht will. Seine Worte in Mt 18,15-18 gehören hierher:

„… hört er die nicht, so sage es der Gemeinde.“


 Daneben spricht Jesus jedoch auch ausdrücklich und ausschließlich von Gemeinde (EKKLESIA) in der Einzahl:

„… und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“, Mt 16,18.

 Dieser Einzahl-Begriff steht für alle seine Gläubigen. Jeder Einzelne von ihnen wird dort, wo er lebt, danach streben, aktives Mitglieder einer bekenntnistreuen Kirchgemeinde sein. Doch dieses Moment schwingt für die Glieder der Einen EKKLESIA nur mit. Die grundlegende und sie verbindenden Eigenschaft ist der Eine Glaube an den Einen Christus, Jesus von Nazareth, als ihren und der Welt Erlöser.

 

 Diese „Kirche“ heißt im Neuen Testament auch:

  • die eine Herde des guten Hirten – Joh 10,16
  • das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums – 1Petr 2,9
  • der Tempel Gottes und geistliches Haus – 1Kor 3,16 f.; 1Petr 1,5. vgl. Eph 2,21 f.
  • das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt – Offb 20,9; vgl. Ps 46,5 und 87,3
  • Reben an Christus dem Weinstock – Joh 15,5 f.
  • Braut Christi – Joh 3,29; vgl. Eph 5,32
  • Leib Christi – Eph 1,23; 1Kor 12,27
  • oder eben seine Gemeinde – Mt 16,18

 

 Teil des Berichts über die Entstehungszeit der ersten Kirchgemeinden ist auch der Spruch Apg 9,31:

„So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich und lebte in der Furcht den Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes.“

 Der Begriff EKKLESIA (im Singular) bezieht sich hier auf mehrere Kirchgemeinden in größeren Gebieten. Eine Art kirchliche Organisation (organisierte Verbindung oder eben Kirchenkörper) kann nicht gemeint sein. Denn weder im Zusammenhang noch sonst im Neuen Testament wird berichtet, dass die Apostel solche Zusammenschlüsse anstrebten und ausgestalteten. Sie sorgten lediglich für Kirchgemeinden im oben beschriebenen Sinn. Sofern Gott dieses Detail durch die Apostelgeschichte und durch die Apostelbriefe in die neutestamentliche Zeit hinein berichten lässt, macht Er deutlich:

Mein Wille für meine Gläubigen und für mein Rettungswerk sind insbesondere solche Kirchgemeinden; solche, von denen dasselbe gesagt werden kann, wie für die erste Gemeinde in Jerusalem: „Sie blieben aber beständig ist der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“, Apg 2,42.

 

 

Befremden muss es deshalb, dass die Evangelisch-Lutherische Wisconsin-Synode (WELS) in den USA und die mit ihr bekenntnismäßig Verbundenen feststellen und anerkannt haben wollen:

„Wir achten es für unhaltbar zu sagen, dass die Ortsgemeinde spezifisch von Gott eingesetzt sei im Gegensatz zu anderen Gruppenbildungen der Gläubigen in Jesu Namen; dass das Amt der Schlüssel ausschließlich der Ortsgemeinde gegeben sei.“ (Doctrinal Statements der Wisconsin-Synode, verabschiedet 1970; Wortlaut des Antragshefts der außerordentlichen Synode der Evangelisch-Lutherischen Freikirche 2001).


 Wer gern auch Kirchenkörper und übergemeindliche kirchliche Werke wie Missionsgesellschaften und Trägervereine für christliche Schulen sowie Kreise innerhalb einer Kirchgemeinde als gut und nützlich anerkennen möchte, für Gottes Werk in dieser Welt aber ausdrücklich festhalten will, dass dergleichen von Menschen mit christlichem Geist eingerichtet ist und nicht ausdrücklich als Gottes Willen bezeichnet werden kann, zeigt sich damit durchaus als Schüler des Wortes Gottes.

 Diesen Unterschied zwischen solchen und solchen Formen der Versammlung auszusagen, darf ebenso wenig getadelt werden wie die Unterscheidung, die jeder innerhalb der Formen des gottesdienstlichen Lebens anerkennen wird.

Wortgottesdienste, Abendmahlsfeiern und Taufgottesdienste sind ausdrücklich Gottes Wille (iure divino).

Konfirmationsgottesdienste, kirchliche Trauungen und Beerdigungsgottesdienste hält eine Gemeinde jedoch von sich aus (iure humano).

 Lediglich in Sorgfalt wird dies festgestellt (um die Wisconsin-Synode und ihre Partner voranzubringen), nicht mit der Absicht, solche Gottesdienstformen besser heute als morgen aufzugeben, weil sie doch nicht  Gottes Wille wären.