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Paul Gerhardt - unser Mann
Wir schätzen Paul Gerhardt aus doppeltem Grund: wegen seiner Lieder und wegen seiner Standhaftigkeit im Eintreten für die offenbarte Wahrheit. Theologie studierte er während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Danach konnte er viele Jahre lang nur als Hauslehrer tätig sein. Zuletzt in Berlin, wo er 1651, im Alter von 45 Jahren, ordiniert wurde und von 1657 an (nach ersten Amtsjahren in Mittenwalde) evangelisch-lutherischen Pfarrer der Nicolai-Kirchgemeinde war. Die Regierung der Mark Brandenburg lag zu dieser Zeit in den Händen von Friedrich Wilhelm, später als der Große Kurfürst bezeichnet. Er hielt es von seinen Vorfahren her mit dem reformierten Bekenntnis, dessen Väter sich während der Reformationszeit mit den Lutheranern nicht einigen konnten. Für reformierte Theologen blieb es unmöglich, im Blick auf das heilige Abendmahl anzuerkennen: "Es ist der wahrer Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein, uns Christen zu essen und zu trinken, von Christus selbst eingesetzt", sowie im Blick auf die heilige Taufe: "Sie wirkt Vergebung der Sünde, erlöst von Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten" (Kleiner Katechismus).
Trotz dieser Bekenntnisunterschiede wollte der Brandenburger Kurfürst die lutherischen und die reformierten Gemeinden seines Landes zu einer einzigen Kirche zusammenschließen. Zur Förderung dieses Planes sollten die Prediger nur noch behandeln, was Lutheraner und Reformierte gleichermaßen als biblische Botschaft verkünden, vor ihren Gemeinden aber nicht mehr "polemisieren", d. h. von falscher Lehre sprechen und davor warnen. 1662 erging ein Edikt, das allen "unzeitigen und verhärteten Eiferern" die Amtsenthebung androhte. Aller Einspruch dagegen fruchtete nichts. Mehrere der lutherischen Pfarrer Berlins mussten ihre Gemeinden und die Stadt verlassen. Paul Gerhardt kam 1669 schließlich nach Lübben (damals sächsisch) und starb dort nach 6 weiteren Jahren als Prediger und Seelsorger.
Zu seinen Gunsten gab es in Berlin manche Initiative. Eine Entschließung der Bürgerschaft und der Gewerke der Stadt hob gegenüber dem Magistrat hervor, es sei "mehr als bekannt, dass dieser Mann nimmermehr wider Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht Glauben oder dero Genossen geredet, geschweige geschmäht hätte, sondern er hat alle und jede zum wahren Christentum durch Lehre und Leben bis dato geführt und keine Seele mit Worten oder Werken angegriffen." Daraufhin erinnerte der Magistrat den Kurfürsten in einem weiteren Schreiben an Paul Gerhardts Lieder, die mit seiner Billigung ins Märkischen Gesangbuch aufgenommen worden wären, sodass es vielerorts als befremdlich empfunden werden würde, wenn "ein so frommer, geistreicher und in vielen Landen berühmter Mann diese Stadt verlassen müsste, der sich gegen die Reformierten immer friedfertig verhalten" hätte. Wenn dieser Mann nicht erklären wolle, dass er tun werde, was die kurfürstlichen Erlasse verlangen, dann sei dies keineswegs "ein Zeichen seines Ungehorsams, sondern seiner Gewissenhaftigkeit, auf die man doch Rücksicht nehmen müsse." Von Paul Gerhardt wurde schließlich nur noch verlangt, die Weisungen im Blick auf die Reformierten stillschweigend anzuerkennen, als "gemäßigter Lutheraner" aufzutreten und nicht so vor den Irrtümern der reformierten Lehre zu warnen, wie es in der Konkordienformel geschieht. Doch schon diese Erwartung stellt für einen Lutheraner eine Nötigung dar. Die Konkordienformel ist Teil des lutherischen Bekenntnisses und gehört in evangelisch-lutherischen Kirchen zum Ordinationsversprechen.
Die biblische Botschaft ist die Wahrheit, durch die über dieses Leben hinaus allen geholfen werden soll. Deshalb erwartet Gott von seinen Gläubigen, dass sie sich dazu einsatzfreudig bekennen. Das Warnen vor aller irreführenden Verkündigung der Botschaft seines Buches und das entschiedene Nein zu Lehrformeln, die bekanntermaßen auch Verfälschungen abdecken, ist deshalb ebenfalls in Gottes Sinn.
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